Samstag, 29. August 2026

Der wahre König

dieser unendlichen Wälder ist dieser:

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Die Kanadier leben mit ihm in der Nachbarschaft, fast jeder erzählt mir von einer Begegnungen mit ihm.
Meine eigene Begegnung ist nun 40 Jahre her, und immer noch weiß ich jedes Detail.


Joowang erzählt in seinem bisher neuesten Video von einer anderen, unerwarteten Begegnung, etwa ab Minute 10:
https://www.youtube.com/watch?v=uDWemsPKWl8

Lieben Gruß in die Wildnis im Norden!

Donnerstag, 13. August 2026

Wiedersehen und Abschied

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Nach einem langen, ereignisreichen Tag trat ich Joowang Lee in meinem finsteren Zimmer entgegen, und es dauerte eine Weile, bis wir uns erkannten. Er war inzwischen in Whitehorse angekommen, ich wollte bereits nach ihm fragen.
Er hatte sein Bett genau über meinem.
Am nächsten Tag waren wir zusammen frühstücken und erzählten uns unsere Abenteuer. Über meine Schlafmatte freut er sich überschwänglich. Neue Schuhe braucht er auch.
Am Nachmittag wird Joowang ein Interview haben mit dem Yukon-Regionalradio.
Der Durchquerer von Nord- und Südamerika, ein paar Tage in der Hauptstadt des Yukon. Ich werde mich bedanken beim Finder meines gestohlenen Fahrrades, das ich nur 5 Minuten hatte. Mit dem wiedergefundenen Rad besuche ich die Kanuverleiherin, die mir suchen geholfen hat. Übers ganze Gesicht strahlt sie, sagt "Tschüss" und gibt mir die Hand. Dann esse ich nochmals indisch und werde von der Familie begrüßt.
Am Abend machen wir eine Abschiedsparty. Die Hausfrau spendiert mir eine Dose Apfelsaft, Joowang tischt alle Chips und Knabbereien auf, die er in den letzten Tagen geschenkt bekam. Alex, der Kanadier, kommt dazu, und immer wieder ein anderer Hausbewohner.
Nächstes Ziel Joowangs ist Vancouver. Er erklärt mir, wieviele Monate er dorthin braucht. Ich werde nur zweieinhalb Stunden brauchen

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Das ist sein gegenwärtig neuestes Video:
https://www.youtube.com/watch?v=W760VWUaOZk
In diesem Restaurant habe ich gefrühstückt in den Tagen, als wir uns begegnet sind...

Mittwoch, 12. August 2026

Geburt

Wie kann ein Mensch, der schon erwachsen ist, von neuem geboren werden, fragt der Pharisäer.

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Die First Nation-People wissen das.
Der Mensch wird fortwährend aus der Natur geboren.
Sie gibt ihm Leben, Nahrung und Schutz.
Aber er muss darum kämpfen.
Und er muss der Natur etwas zurückgeben.
Earl erzählt mir, wie er gelernt hat, Fische zu jagen mit dem Speer.
Einer geht auf die rechte Seite des Sees, einer auf die linke.
Fängt der eine mit dem Speer einen Fisch, gehen die anderen Fische auf die andere Seite.
Dann kommt der andere dran.
Wenn du allein bist, fängst du genau einen Fisch.
Einmal hat Earl dem Grizzly einen Fisch vor der Nase weggefangen aus dem Versteck in der Uferhöhle.
Da war der Bär sehr böse.
Grimmig hat er gebrüllt und sich breit gemacht.
Earl dreht sich um und blickt ihn an.
Da schaut er in das Gesicht seines Großvaters.
Und er sagt: Großvater, lass mich in Ruhe.
Und der Bär geht grollend weg.
Earl hat aber das Versteck niemandem gezeigt.

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Montag, 10. August 2026

Wildnis

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Hier soll ein Zug kommen.
Er soll mich zum Chilkoot Trail bringen.
Diese Route, auf der die Goldsucher von Alaska übers Gebirge kamen.
Eine bunte Gesellschaft findet zusammen, der Bahnhof von Carcross wird zum lebendigen Ortszentrum, schwatzende Leute, die Eis schlecken, Pianomusik kommt aus dem Saloon, die Musikstücke aneinandergereiht ohne Pause, Country, Boogie, Traditionals. Der Pianist hat lange, graue Haare, sein Gesicht, über die Tasten gebeugt, kann ich nicht sehen, zuweilen singt er, die Stimme, die, verstärkt, über den ganzen Platz klingt, ähnelt der von Cat Stevens. Ich erstehe einen schicken Pullover, in Erwartung des Kommenden.
Es ist eine Wildweststadt mit Holzhäusern und sandigen Straßen. Ich sehe zwei Kirchen und einige Totempfähle. Eine Straßenkreuzung, ein Flussufer, ein Ufer zum langen Bennet-Lake, der wie ein Fjord zwischen steilen Ufern liegt. Der Zug wird mich zum anderen Ende bringen, entlang der Felsküste. Einige werden in Bennet aussteigen, mit großen Rucksäcken, um einige Tage den Chilkoot-Trail entlang zu gehen. Es gibt dort einige hölzerne Camps, wo man das Zelt aufstellen kann und die Nahrungsmittel in Boxen vor den Tieren sicher sind. Wir kennen uns schon vom Bus. Eine Familie mit zwei Teenagermädchen aus dem französischen Kanada, mehrere Mutter-und-Sohn-Paare, Pärchen. Der junge Mann, der mir begeistert von antiken Tempeln in Pakistan erzählt und Fotos gezeigt hat, der seinen Großvater begleitet - "Grüß Gott, ich war in München", sagt er mir lachend, auf seinen Stock gestützt - und der, in Bennet angekommen, sogleich zur Holzkirche eilt und schon wieder am Bahnhof zurück ist, wenn ich erst mit dem Fotografieren fertig bin, erzählt mir strahlend, es sei eine presbyterianische Kirche, seine eigene Konfession. Das Grüppchen ist schon fort, als ich mich auf den Weg mache. Doch ich werde sie alle überholen, wenn ich erst in Fahrt komme mit meinem leichten Rücksack, knapp gepackt diesmal. (Um diesen Weg zu begehen, braucht man eine Genehmigung und muss Instruktionen hören von einem freundlichen Beamten der Gebietsverwaltung; das grüne Kärtchen pendelt von meinem Rucksack.)
Ein lichter Wald.
Flache Granitrücken, dichte Moosrasen und helle Flächen von Strauchflechten.
Zwischen Steinblöcken durch, zuweilen darüber hinweg.
Hinter Lichtungen der Blick auf Berge mit Schneespitzen.
Manch stiller Waldteich, Moore mit braunem Wasser.
Ich muss in dieser Landschaft geboren worden sein,
in dieses oder ein früheres Leben.
Es ist wie ein Heimkommen.
Im Moos liegend, höre ich Vogelstimmen zum ersten Mal.
Nachtvögel.
Es ist um Mitternacht nicht finster.

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Samstag, 8. August 2026

Geschwindigkeit

Der Fluss gibt dir das Tempo vor.
Die Strömung ist nicht überall gleich.
Katrin hat gesagt, in der Mitte ist es am besten - aber in der Innenkurve oder an Engstellen strömt es schneller.
Der Kajak fährt auch, wenn ich nichts tue, wenn ich die Paddel ablege, um zu fotografieren. Langsam treibe ich am dunkelgrünen Fluss durch die Wälder. Einmal sehe ich einen Weißkopfseeadler. Er gleitet quer über den Fluss und landet auf einer Baumkrone - ich meine, dort zwei zu sehen.
Beim Autostoppen lässt du dir das Tempo vorgeben. Du stehst und wartest, immer auf das nächste Fahrzeug konzentriert. Das kann lange dauern, warten können ist eine Fähigkeit der Natur. Bleibe in Ruhe, ziehe keine Schlüsse, werde nicht ungeduldig. Stehe an der besten Stelle und warte.
Du wirst erwählt werden.
Heute habe ich Joowang Lee wieder gesehen, schon südlich der Abzweigung des Klondike Highway. Er geht nun auf der linken Straßenseite.

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Mittwoch, 5. August 2026

City of Gold

Das ist Dawson City.
In den 1890er Jahren wurden Goldfunde am mittleren Yukon bekannt.
Ganze Karawanen von Abenteurern zogen über den White Pass herauf und fuhren mit Booten und Schiffen den Yukon hinunter.
Und hier, im Fischerlager der First Nations, in Tr'ochëk, wurde eine Stadt errichtet, die bald zur Boomtown wurde.
Das wird gern als heroischer Kampf des Menschen gegen die Mächte der Natur dargestellt. Die langen, eisigen Winter. Die Überschwemmungen. Die Abhängigkeit von Lebensmittellieferungen auf den entlegenen Vorposten der Zivilisation. Von Werkzeug und technischem Material. Die Stadt zählt die Heldentaten der Erbauer der Wasserleitung und des Turbinenwerkes und listet die Katastrophen auf.
Die Trʼondëk Hwëchʼin First Nation gibt es noch. Sie wurden von einer schamanistischen Jäger- und Sammlerkultur mit oraler Tradition ins nordamerikanische 20. Jahrhundert katapultiert, lernten Alkohol und Drogen kennen und verloren ihre Sippen- und Familienverbände. Heute sind sie als Eigentümer des Landes anerkannt, und viele leben in diesen Holzhäuschen und fahren riesige amerikanische Limousinen.
Reich geworden, erzählt mir Otto, sind die Casinobesitzer, Hotelbetreiber, Schiffahrsunternehmer. Die Goldschürfer waren die Arbeiter auf eigenes Risiko. Niemand weiß, wieviele im Schnee und im Fluss verlorengegangen sind.
Ihre Gesichter zeigen eine Ahnung

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Montag, 3. August 2026

Warum

ich per Autostop fahre, fragt mich Lily, auf die Fahrbahn konzentriert. Um Leute kennenzulernen, sage ich. In der Stadt lernst du keine Leute kennen. Sie pflichtet mir heftig bei. Sie hat einen sehr stressigen Beruf, organisiert ein Millionenprojekt in Whitehorse, wird jetzt doch einige Leute dafür anstellen. Sie erzählt mir ihr ganzes Leben, von den Kindern, dem Partner, dem Haus und den Reisen. Am besten schläft sie beim Campieren im Freien, sagt sie. Wie ich, sage ich.
Wir sehen eine Elchkuh über die Straße gehen, die zwei Junge hinüberbugsiert und dann im hohen Gebüsch verschwindet. Sie erzählt mir von ihren Begegnungen mit Bären. Grizzlys sind wie Menschen, die keine Angst haben. Du kannst ihnen beim Denken zusehen. Später überholen wir Joowang Lee, ich erzähle ihr von ihm.
An der Abzweigung nach Dawson verabschieden wir uns.
Die nächste Stunde verbringe ich mit meinem Rucksack auf der Ladefläche eines Pickup, bis der alte Mann mit dem langen weißen Bart irgendwo auf dem Klondike-Highway stehen bleibt und mich runterlässt. Hier müsse er abbiegen. Das gibt mir eine gute Zeit der Stille am Straßenrand, nur wenige Autos am Sonntag Nachmittag.
Am Morgen war ich im Gottesdienst in der heimeligen Quonset-Kirche in Haimes Junction, mit beinahe zehn Kindern und jungen Eltern, wo jeder zweite etwas zur Feier beitrug. Einer mit Anzug und Krawatte aus der zweiten Reihe leitete den Gottesdienst und erklärte die Schrifttexte. In der Diözese Whitehorse gibt es nur vier Priester.
Dann hielt Otto.
Er erzählte mir sein ganzes Leben. Seine Zeit in Deutschland, in Holland, in den Staaten, in Südamerika, und nun in Dawson City. Als Landwirt.
Gibt es überhaupt Landwirtschaft im Yukon? frage ich. Ich habe kein einiges Feld gesehen und kein Weidevieh. Zur Antwort bekomme ich eine Karotte.
Zwei Orte durchqueren wir, die fast nur aus einer Brücke bestehen. Der Yukon sieht hier aus wie die Donau in der Wachau.
Seit Otto mir die vulkanische Zone gezeigt hat, von der Aussichtswarte neben dem Highway auf die Tiefebene darunter, fühle ich das Schwanken des Bodens.
Besonders in meinem Bett im Bunkhouse, das ein Holzhaus ist.
Der Wirt im Bunkhouse ist Ottos Freund.
Der Yukon ist 200 km länger als die Donau.
Die heute zurückgelegte Strecke ist so lang wie von Wien bis Bregenz.
Als ich zum ersten Mal nach Dawson kam, vor 40 Jahren, war es auch mit Otto

Ich fahre Autostop, weil man die Welt nicht erfährt, ohne sich auszuliefern

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Gott hat das auch nicht anders gemacht

Sonntag, 2. August 2026

Ä'äy Chu

Der Slim's River zieht ein langes Sandband vom Gletscher herab und mündet zögerlich in den großen Kluane Lake.
Dort sind die Berge, die ich heute von unten und oben sah.
Hinter diesen Bergen Alaska

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Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.

Hebr 11,8

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