Die am Rand sind

Vor Zeiten hat man sich die Welt wie eine Insel vorgestellt, von Wasser umringt, und der Himmel auf Berge am Rand gestützt. Klar umgrenzt von der Seite, von oben und von unten. Heute reden wir vom grenzenlosen Universum ohne Oben und Unten.

Aber das Denken hat sich nicht geändert, der Mensch ist gleichgeblieben. Als die Schiffe nicht jenseits des Atlantik hinunterfielen, hat man eben die Menschen herabgesetzt, die man in den neuen Ländern gefunden hat, und da hat die ganze Gesellschaft noch viel tiefer zu fallen begonnen, als von den Schiffen je befürchtet.

Die Ränder sind seither keineswegs verschwunden, sondern noch viel enger zusammengerückt. Die Berge, die an den Grenzen der Welt einst den Himmel getragen haben, verbarrikadieren nun unsere Heimat, die wir uns im Gelobten Land geschaffen haben, und sie tragen keinen Himmel, nur unseren Reichtum. Aber die Schutzzäune umgeben auch unsere Häuserblocks, sie sind quer durch Familien und Paare gespannt, und sogar die Herzen sind gepanzert, man sieht das am harten, unbeweglichen Gesicht.

Am Rand draußen haben wir im 16. Jahrhundert die Indianer gefunden, heute sind es Tschetschenen, unproduktive Senioren, unberechenbare Kinder oder unangepaßte Gläubige. Eigentlich fast alle. Nur in der Mitte, da ist das Wichtigste. Was da ist, das sollte im Laufe des Kritischen Oktober 2008 allmählich klarwerden. Wenn wir die Ränder unserer Gesellschaft beleuchten.

Ich wollte sicher sein, dass ich nicht vergeblich laufe oder gelaufen bin

Gal 2, 2

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