Donnerstag, 2. Oktober 2008

Der Rand macht das Bild

So wie ein schönes Bild von einem besonderen Bilderrahmen eingefaßt wird, so sagt der Rand der Gesellschaft sehr viel aus über die Menschen „in der Mitte“, über ihr Zusammenleben und ihre Umgangsformen. Ein Volk, das Menschen verhungern ließe, würde zeigen, dass es unfähig ist, seine Bevölkerung zu ernähren – oder die Nahrung gerecht zu verteilen. Das ist gottlob bei uns nicht so.
Was aber ist mit einem Volk, das seine Ungeborenen tötet? Das Ausländer einlädt, statt des eigenen Nachwuchses bei ihm zu leben und zu arbeiten, und diese dann loswerden will? Ein Volk, das Behinderte gar nicht auf die Welt kommen lassen will, und wenn doch, dann mit Mauern umgeben. Das seine Kranken nicht sehen will, und seine Sterbenden in weiße Zimmer sperrt.
Nun, es gibt viele Menschen, die sich aufopfernd bemühen um Alte, Kranke oder Sterbende. Die öffentliche Diskussion hat das leider nur in Eurobeträge fassen können, was doch menschliche Hingabe ist. Und auch wenn die von den gewinnorientierten Massenmedien verkündete „öffentliche Meinung“ nur Spaß und eigenen Vorteil sinnvoll nennt, gibt es doch sehr viele Menschen, die wissen, dass Glück und Sinnerfüllung eine Frage der Liebe sind. Menschen, die einander pflegen. Die darauf achten, dass ein anderer leben kann. Menschen, die auf die Suche gehen nach Schwierigen. Die sich Zeit nehmen. Die für Lebenschancen der ihnen Anvertrauten kämpfen. Die also zum Rand gehen, um die Mitte zu stärken.

Und denkt an die, die sich abmühen, damit wir zu essen haben. Nicht in klimatisierten Büros, sondern am Traktor, bei jedem Wetter, jeden Tag. Die mit der Natur umgehen können mit ihren Händen, und den Boden pflegen, damit dort wachsen kann, was uns nährt. Keine Industriearbeiter, die Küken auf Förderbänder stopfen oder Ferkel in Zwinger sperren zu Tausenden. Sondern Bauern, Landwirte, die seit Jahrtausenden dem Leben der Natur und des Menschen dienen. Und seht, wo sie selber stehen in unserer modernen, synthetischen Gesellschaft. Sucht ihre Produkte in den Supermärkten. Und begeht ihre Felder.

Die Wächter über den Rand sind in der Bibel die Propheten. „Hört dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdrückt!“, mahnt Amos (8,4). Ihre „Schuld war, dass sie in Überfluß zu essen hatten und in sorgloser Ruhe dahinlebten, ohne den Elenden und Armen zu helfen“, erklärt Ezechiel den Zusammenbruch der Gesellschaft (16,49). „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe“, richtet Jesaja den Selbstzufriedenen von Gott aus, die obdachlosen „Armen ins Haus aufzunehmen!“ (58,7). Denn eigentlich, so verweisen sie alle auf das Gesetz, „sollte es bei dir gar keine Armen geben!“ (Dtn 15, 4). Jesus nennt die Armen selig und sucht vor allem sie und die Sünder. Denn eine Gerechtigkeit, die Gott anerkennt, kann sich mit verkommenen Rändern nicht abfinden. Denn Gottes Bild vom Menschen ist randlos.

Da wir wohlhabenden bürgerlichen Menschen uns vorwiegend mit uns selbst und unseren Bedürfnissen beschäftigen, sollen wir öfter auf die hingewiesen werden, die am Rand sind, fast schon unsichtbar und von Institutionen zugedeckt. Jemand wird sich schon kümmern, und die Allgemeinheit zahlt ohnehin. Gott aber schickt nicht Geld, sondern Menschen. Menschen, die lieben können. Und Gott bereitet Familien und Gemeinden, damit dort Menschen lieben lernen. Lernorte der Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit. Des Hinschauens und Hingehens.

Als in den Pyrenäen die Mutter Gottes einem Menschen erschien, da war es nicht ein Bürgermeister oder Bischof, kein Firmenchef oder Chefredakteur, sondern ein vierzehnjähriges, asthmakrankes armes Mädchen. Durch sie, Bernadette Soubirous, sprach Maria zur ganzen Kirche und fegte sie rein wie mit einem Besen. Und Papst Benedikt ist ihr dorthin an den Rand gefolgt, zu den Kranken und Hoffenden, und hat sich dadurch selbst zum Rand rechnen lassen, was uns die Medien täglich vorzeigen: Ihr Christen, merkwürdige Sondererscheinung! Neidisch kommentiert die Nachrichtensprecherin im ZIB 1 am Sonntag: „Es kamen mehr Menschen als befürchtet....“! Sarkastisch titeln die Zeitungen mit „Papst im Land der Skeptiker“, um die eigene Skepsis hochzuhalten. So, liebe Christen, stellt man uns an den Rand. Im eigenen Land. Vor den Moslems, die unsere Skepsis und Dekadenz verachten. Vor den Ungläubigen und Zweiflern. Und vor den Suchenden, damit sie aufhören, weiter zu fragen. Kämpft dagegen, laßt euch nicht mundtot machen, aber verzagt nicht deswegen: Besser, am Rand zu sein, in guter Gesellschaft, als in der Mitte und leer.

Die am Rand sind

Vor Zeiten hat man sich die Welt wie eine Insel vorgestellt, von Wasser umringt, und der Himmel auf Berge am Rand gestützt. Klar umgrenzt von der Seite, von oben und von unten. Heute reden wir vom grenzenlosen Universum ohne Oben und Unten.

Aber das Denken hat sich nicht geändert, der Mensch ist gleichgeblieben. Als die Schiffe nicht jenseits des Atlantik hinunterfielen, hat man eben die Menschen herabgesetzt, die man in den neuen Ländern gefunden hat, und da hat die ganze Gesellschaft noch viel tiefer zu fallen begonnen, als von den Schiffen je befürchtet.

Die Ränder sind seither keineswegs verschwunden, sondern noch viel enger zusammengerückt. Die Berge, die an den Grenzen der Welt einst den Himmel getragen haben, verbarrikadieren nun unsere Heimat, die wir uns im Gelobten Land geschaffen haben, und sie tragen keinen Himmel, nur unseren Reichtum. Aber die Schutzzäune umgeben auch unsere Häuserblocks, sie sind quer durch Familien und Paare gespannt, und sogar die Herzen sind gepanzert, man sieht das am harten, unbeweglichen Gesicht.

Am Rand draußen haben wir im 16. Jahrhundert die Indianer gefunden, heute sind es Tschetschenen, unproduktive Senioren, unberechenbare Kinder oder unangepaßte Gläubige. Eigentlich fast alle. Nur in der Mitte, da ist das Wichtigste. Was da ist, das sollte im Laufe des Kritischen Oktober 2008 allmählich klarwerden. Wenn wir die Ränder unserer Gesellschaft beleuchten.

Donnerstag, 4. September 2008

An die Gemeinde von ....

Visionen von Πατμος



Ein Gefängnis war das einmal, ein Verbannungsort, diese Insel – und heute noch ist sie nur mit dem Schiff erreichbar, dreimal pro Woche. Den man hier kaltstellen wollte, diesen Propheten, als das Christentum zwar schon verbreitet, aber nur eine kleine Minderheit im Römischen Reich war, das war ein Mann namens Johannes. Aber einen überzeugten, leidenschaftlichen Christen auf einer Insel kaltstellen? Gerade hier hatte er seine Visionen, vom himmlischen Thron, vom Kampf der großen Tiere, von den sieben Posaunen und den Zornesschalen, vom Ende er Welt. Er schrieb sie auf und schickte sie in Briefen an seine Gemeinden in Kleinasien, der heutigen Türkei. Wir lesen sie heute im letzten Buch des Neuen Testaments, der Apokalypse, und finden sie an die ganze Kirche gerichtet.

Ihr Christen in Völkendorf, erfahrt, wie wir hier leben, inmitten der Griechen, die selbst Urlaub machen, und der Fremden, die hergekommen sind, weil diese kleine Insel ein Geheimtip ist mit wenig Attraktionen und kleinen Hotels. Kaum jemand von ihnen interessiert sich für die 365 Kirchen, eher für das Johanneskloster, dessen mächtige Mauern die Insel überragen und einmal Seeräuber abwehren sollten, aber den steilen Weg hinauf, und bis in die überraschend kleine Kirche gelangen dann doch nicht viele, wozu auch, ist nicht jede dieser orthodoxen Kirchen irgendwie gleich? Lieber bleibt man unten in Σκαλα - Skala, dem malerischen Städtchen am Hafen, mit seinen Gassen, Cafes und Tavernen, und geht einkaufen, essen und trinken – wie zu Hause.

Wer den Thron Gottes zu sehen vermag, und ihm standzuhalten: das sind nicht die unbeschwert schwatzenden Scharen, die dahin treiben und dorthin – da mußt du schon selbst aufrecht stehen können, lieber Christ. Zu solchen, die tun, was alle tun, spricht keine Stimme, oder sie erreicht sie nicht, die gehen, wo alle gehen. Sich selbst für einzigartig halten, genügt da nicht, und dann nur ein Abziehbild sein. Wer in den Thronsaal geladen wird, wird sich als Christ bewährt haben. Das Maß der Christen, hört das aus Patmos, ist nicht Erfolg oder Anerkennung, sondern Liebe und Hingabe, wie wir von Christus sehen, bis zur Selbstaufgabe, so sagt der Seher von Patmos. Und wenn ihr belächelt und verspottet werdet. Ihr gehört nicht zu jenen Selbstvergessenen, ihr gehört zu Christus. Ihr gehört ihm, laßt euch das gesagt sein.

Ich weiß schon, dass ihr viel leistet in eurer kleinen Gemeinde im großen Stadtteil, und dass ihr euch einsetzt für die Kranken, für die Alten, für die Kinder und Jugendlichen, sie sucht und auf sie zugeht, sie ansprecht und ihnen das Evangelium verkündet. Und dass ihr auch abgewiesen werdet an den Türen, und Mißerfolg und Spott einsteckt, zumindest einige von euch. Aber es sind auch solche, die alles recht leicht nehmen, weder kalt noch heiß. Passt auf, dass ihr eure erste Liebe nicht vergeßt, als ihr gläubig wurdet und Christus erkanntet, und wie ihr damals staunen konntet über seine Größe und Macht, als er doch als einfacher Mensch auf Erden wandelte. Werdet endlich wach, ihr Dämmernden, ihr Stolpernden, wacht auf und erblickt, was wahrhaft vorgeht in der Welt und in eurer Stadt! Der Hass gegen euch Christen ist größer geworden, man will euch schaden, wo man kann, man macht euch klein und erniedrigt euch, die Gegner des Papstes sucht man, wenn er spricht, des Bischofs, wenn er entscheidet, die Fehler der Priester, die Schwächen der Kirche – um von den eigenen Schwächen abzulenken. Aber nicht euch hassen sie, sondern Gott, der ihnen seinen Sohn ausliefert.

Seid getrost. Sie werden Gott nicht besiegen, nicht töten oder abschaffen, nachdem sie ihn zu einem Wunsch nervenschwacher Menschen erklärt haben. Diese Kräfte, die in der öffentlichen Meinungsbildung am Werk sind, und die sich der Journalisten, Politiker und Prominenz bedienen, die aus Menschen Konsumenten machen, aus Wählern Stimmvolk, die sind schwach und arbeiten deshalb geheim und versteckt. Sie scheuen Vernunft und Erkenntnis, und vor Gott wird ihr Stolz zerfließen.

Lasst euch gesagt sein: wenn ihr bei den Geretteten seid, die in den Thronsaal gerufen werden, dann seht ihr, wie viele ihr seid, nicht nur eine kleine Schar, wie es jetzt scheint, wenn ihr vereint sein werdet: ein ewiges Glück wird es sein, mit Gott auf seinem Thron, und eins mit sich und Ihm und Allem. Christen!

Seid gegrüßt und ermutigt aus Patmos.

Samstag, 16. August 2008

Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!

Ist es Uebermut?

Nichts zu sehen, nichts sicher zu wissen, nur eine Vermutung,
und dann sich auf ein so unsicheres Element hinauszubegeben, und auf solche Weise.
Zwar ist er ja ein Fischer, und er wird Erfahrung haben mit diesem Element, wenngleich er aber kaum schwimmen kann.
Aber gerade in dieser Nacht plagen sich die Fischer mit Gegenwind und hohem Wellengang. Das Element hat seine eigene Dynamik. Man lernt, sich ihr bis zu einem gewissen Grad anzuvertrauen, und dann kann man mit ihm umgehen, soweit es das zulaesst.

Und wie kommt Petrus in dieser Nacht zu seiner (spaeten) Jesuserkenntnis?
Die Gestalt auf dem Wasser wurde ja fuer ein Gespenst gehalten, in grosser Angst schrien sie - und versuchten, es so zu beschwoeren. In dieser Nacht, im Kampf mit dem Element, im Anblick dieser unsicheren Gestalt, gab er sich zu erkennen. Und er war trotz der Umstaende erkennbar, weil es ja ein Wiedererkennen war.
Die Israeliten haben bereits in der Nacht des Schilfmeeres Gott erkannt im Walten dieses Elements, das zuweilen traegt und zuweilen verschlingt. Gottes rettende Hand, obgleich gar nicht zu sehen. Vom anderen Ufer aus. Als Gerettete. Als von Fremdherrschaft Befreite. Das war die Gestalt, die sie gesehen haben hinterher, je spaeter, desto besser. Vielleicht erst richtig in der Exilszeit. Die Gestalt des Retters und Befreiers, der sich ihrer annimmt, sie aber auch herausfordert. Im Exil begann man sogar, das Element (probeweise) mit der Wueste gleichzusetzen. Was ist mit dir, Wasser....., was ist mit euch, Berge..... (Ps 114).

Weiters haben die Fischer Jesus auf dem selben See bereits als der Elemente Herr erkannt. Die Eigenstaendigkeit der Elemente erwies umso deulicher seine eigene Eigenstaendigkeit gegenueber den Fischern und den Elementen, im gleichen Boot damals. Aber nun: Auf dem selben Element ruhend, mit dem sie ringen. - Insofern ihnen gegenueber, und es kommt zu einer Konfrontation.
Aber derselbe Grund traegt sie beide - insofern also eine Gleichsetzung.

Und das ist nun der Grund fuer die Zuversicht des Petrus. Er hat den verbindenden, tragenden Grund erblickt, der das Schiff traegt und sie selbst, und dem auch Jesus sich anvertraut. Im WAlten des Elements Gottes rettende Hand erkannt, in der unsicheren Gestalt wiedererkannt. Jesus in der rettenden Hand Gottes. Der Auferstehungsglaube bahnt sich hier an, auch der Juenger Nachfolgeangebote ueber den Tod hinaus. Der Elemente Herr, und in ihrem Walten erkennbar. Im Tragen und im Hindern. Als Boden und als Grab. Als tragender Grund, und als verschlingender.

Und nun wir selbst.
Ohne sich mit dem Element zu befassen, koennte man gerade nur an Deck bleiben. Von dort koennen zwar Ufer und Haefen anvisiert werden, auch Fischgruende lassen sich eingrenzen - aber das Element wird nur vorausgesetzt, es selbst wird nicht erfasst. Man kann sich darauf bewegen, ohne seiner gewahr zu werden, man geht seinen Tagesgeschaeften nach und kann es dabei zu Geschicklichkeit und Erfolg bringen, und dennoch blieben die Fischer Nichtschwimmer. Denn das Element erschliesst sich nur in der Gotteserkenntnis.

Aber es traegt. Es oeffnet Wege, fuehrt Suchende und Fragende, und auch Jesus betritt es. Und es nimmt auf: Beginnt, Petrus aufzunehmen, als er zweifelt, nimmt die Toten auf, auch den Gekreuzigten - und gibt sie wieder frei:
Das Element, das die Fischer traegt zu Jesus, der Boden, auf dem wir wandeln in all unseren Nichtigkeiten, da wir uns immerfort im Boot festzumachen suchen, und dort Gelaender und Gebinde errichten noch und noch, und mit ihnen allesamt schwanken unentwegt, der Grund, der Gott selbst uns ist, und dem ganzen Universum, jeglichem Geschoepf, damit es darauf erscheine und wieder darin aufgenommen werde.

Aber wenn er sagt: Komm, dann solltest du ihn wiedererkennen, nicht Gespenster, und dann geh, du wirst nicht versinken.



(Auf hoher See geschrieben)

Freitag, 4. Juli 2008

Warum es uns gut geht,

schreibt Geiger nicht. Was heißt schon gutgehen.
Eher lässt sich nachvollziehen, was jeweils fehlt zum Glück. In den Kriegs- und Nachkriegsgenerationen einer Wiener Familie.

Ich erfahre: Welche Hintergründe es hat, wenn gut situierte Menschen mit ihrem eigenen Leben kaum zurechtkommen. Welche Spannungen auf Menschen lasten, die Bewegungsfreiheit haben. Wie Menschen abgeklärt werden, sobald sie die immer wiederkehrenden Reaktionen ihrer Partner durchschauen, und wie zynisch. Und wie hilflos diejenigen sind, die sie nicht durchschauen.
Und wie tapfer eigentlich alle sind.

Wird es genug sein, sie so zu belassen?

Montag, 16. Juni 2008

Wir Zuschauer

sandro

Wir Zaungäste der Europameisterschaft. Delektieren uns an den Emotionen der anderen. Die noch etwas zu hoffen/ zu gewinnen haben. Minutiöse Berichte der Vorbereitung der Spieler (seit Monaten täglich). Beobachtung der angereisten Fans: ihr Patriotismus/ ihr Konsumverhalten/ ihre Freude/Enttäuschung, jeweils in Großaufnahme.

Ach ja, unsere eigene Mannschaft. Das Fitnessbarometer anstelle der Klasse. Die Sensation des ersten und einzigen EM-Tores aus dem geschenkten Elfmeter in den letzten Spielsekunden. Das Lecken der Wunden, die uns Schiedsrichter, Schicksal, Pech zugefügt haben. Das Vergessen der eigenen Mittelmäßigkeit. Wir Österreicher wie der Portier beim Opernball, der sich zu fortgeschrittener Stunde auch einmal auf die Tanzfläche wagt.

Die Parteinahmen: Wir Zuschauer begeistern uns immer für diejenigen, die immer gewinnen: großes Mitleid für Franzosen und Italiener, wenn sie verlieren, nie für Mannschaften, mit denen wir es selbst aufnehmen könnten, nie für unseresgleichen, immer für die Sieger, die Mächtigen und Reichen. Die Spanier, die uns seinerzeit mit 9 : 0 abgefertigt hatten. Und wehe dem, der Schwäche zeigt, der nachdenkt, hinterfragt, der nicht über Leichen geht und nicht mit allen Mitteln den Sieg erzwingt: der bekommt Häme und Spott, dessen Schwächen werden genüßlich breitgewalzt, wochenlang, monatelang.

Wir Kirche haben Erfahrung damit. Wenn wir jahraus-jahrein ruhig und berechenbar geradeaus gehen, werden wir gerade noch stumm registriert wie die Bauwerke neben der Straße; allenfalls kleinere Konzertereignisse oder Wallfahrten oder renovierte Kirchentürme werden neben Käsefesten und Bordellraufereien mit kleinen Berichten versehen und in der Wahrnehmungskategorie des leicht Absonderlichen eingeordnet. Aber sobald irgendeine Tür einen Spalt sich öffnet und ein Unbeteiligter einen Blick erheischt, werden Autobeschaffungen und Postenbesetzungen zu geheimen Offenbarungen gemacht, an denen sich alle diejenigen lang- und breitsehen können, die keinen Zugang zu regulären Offenbarungen des Himmels haben.

Über dem ganzen Zusehen ist nirgendwo ein Handeln zu sehen gewesen, es sind lauter sich selbst reproduzierende Ereignisse, heute heißen die Gegner ..... und ....., und die Spiele haben die täglichen Quizshows und Seifenopern anstandslos ersetzt und werden schließlich wieder von ihnen abgelöst werden, und was da jeweils stattgefunden hat, wer soll sich das alles merken, in der nächsten Staffel ist ohnehin alles wieder ungültig.

Das totale Zusehen hat längst aus allem ein Bild gemacht, der Unterschied zwischen einem Stadionbesuch, einem öffentlichen Videostand und dem Fernseher liegt in der Lautstärke, der Bierverpflegung und den Wiederholungen in Großaufnahme. Auch unsere eigene Bildwerdung ist weit fortgeschritten, unsere Bedürfnisse erscheinen täglich im Werbefernsehen, und der Sinn unseres Lebens wird im gesteigerten Privatkonsum und im Wirtschaftswachstum angegeben. Was Wohlgefühl und Glück, Schönheit und Erfolg sind, liest man aus Bildern.
Wo sind die Bilderalben des geglückten Lebens? Des sinnvollen Einsatzes in Beruf, des sozialen Engagements in der Freizeit. Der gelingenden Partnerschaft. Der orientierungsgebenden Förderung der Heranwachsenden. Bilder des selbstbewußten freien Menschen, der lange überlegt hat und nun weiß, was er tut.
Wir Abbilder der Bilder.
Wir Zuschauer.

Mittwoch, 28. Mai 2008

odyssee 2001

WÖRTERBUCH ZUM FILM:


• Andere Filme:
Kubrick: 1960: Spartacus (Spartacus); 1962: Lolita (Lolita); 1968: 2001: Odyssee im Weltraum (2001: A Space Odyssey); 1971: Uhrwerk Orange (A Clockwork Orange); 1999: Eyes Wide Shut (Eyes Wide Shut)

Planet der Affen ist ein Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1968, basierend auf dem Roman Planet der Affen (La planète des singes, 1963) von Pierre Boulle.

Raumschiff Enterprise (Star Trek, Star Trek: The Original Series, TOS) von 1966 bis 1969, 3 Staffeln, 79 Folgen

Star Wars (dt. Krieg der Sterne, wörtlich: Sternkriege), Science-Fiction-Saga von George Lucas, 1977

Fortsetzung zum Film:
2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen (2010: The Year We Make Contact), Regie von Peter Hyams, USA 1984

• Astrologie: Konjunktion = scheinbares oder wirkliches Zusammentreffen von Sonne, Mond, Planeten und Fixsternen; vgl. „Sternbilder“

• Künstliche Intelligenz (KI, engl. artificial intelligence, AI) ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens befasst. Der Begriff ist insofern schwierig, als es keine genaue Definition von Intelligenz gibt. Trotzdem findet er in der Forschung und Entwicklung Anwendung.

• Double Bind – Situation: widersprüchliche Aufgabe ohne logische Lösungsmöglichkeit

• Surrealismus: Bewegung in der Literatur und bildenden Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die versuchte, das Unwirkliche und Traumhafte sowie die Tiefen des Unbewussten auszuloten und in der Kunst darzustellen.

• Außerirdische Intelligenz: Kann es intelligentes Leben im Universum außerhalb der Erde geben? Wie kann es vorgestellt werden?

• Leben im Weltraum: schwerelos – ohne Oben und Unten; einsam; ewige Finsternis; Verlorenheit; nur im technisch-künstlichen Milieu möglich

• Musik: Leitmotivtechnik
warum Walzer? – Tanzmusik; ¾-Takt; „blaue“ Donau - Johann Strauß;
warum „Also sprach Zarathustra“? – zu den Konjunktionen des Monolithen
Atmosphères von György Ligeti: Cluster-Musik – ohne erkennbare Melodien
Aram Chatschaturjan: Adagio für Solo-Cello und Streicher aus der Gajaneh-Suite – Aufbruch zum Jupiter



Einige Filmbesprechungen:

http://www.arte.tv/de/film/Stanley-Kubrick/Die-Filme/1734230.html

http://www.filmspiegel.de/filme/2001-odysseeimweltraum/2001-odysseeimweltraum_1.php

http://de.wikipedia.org/wiki/2001:_Odyssee_im_Weltraum

Mittwoch, 14. Mai 2008

der zögling tjaz - kein entwicklungsroman

1.

Die gängige Spur, diesen Roman von Florjan Lipus als Dokument der slowenischen Volksgruppe zu lesen, die Peter Handke mit seiner Übersetzung ins Deutsche gelegt hat, wird bestehen bleiben und kann von jedem betreten werden. Es führen aber noch viele andere Spuren zu und durch dieses Werk, und besonders um derentwillen, die das Werk jenseits wieder verlassen, soll noch ein anderer Durchgang versucht werden.

a.
Endlich gehst du durchs Dorf, beginnt Buch und Erzählung, also mit einer Rede, die im ganzen Roman anhält und ein Du hat, aber keineswegs den Leser. Vom Ende her gesehen könnte das eine Art Biograph sein, einer, der die Geschichte des Zöglings aufschreibt, aber jedenfalls erzählt er sie ihm, erzählt ihm also die eigene Geschichte. Warum tut man das? Es ist wie das gemeinsame Betrachten alter Familienfotos, da wird gezeigt und identifiziert, und mitunter neu gedeutet. Dem Zögling wird vom Ende her seine eigene Geschichte gesagt, er ist verwirrt, ihm wird gesagt: schau her, das bist du, so bist du.

b.
Das Dorf, durch das Tjaz zur Bahnstation geht: das zwischen deiner Bahnstation und dem Elternhaus liegt, und das heißt nicht viel: es ist ihm gewährt, dazwischenzuliegen, mag es dir auch im Weg sein auf dem Weg zur Station. (S.5 – zitiert nach der Ausgabe Suhrkamp 1984)
Ist das eine Überhebung des Zöglings, dass dem Dorf die Gnade seiner Beheimatung zukommt? In der Anrede mag es eine Beschwörung sein, die ihn groß macht und ihm eine Identität verleiht, die vor dem Dorf und seiner restlichen Umgebung liegt. Aber recht allgemein soll diese Verortung des Zöglings zunächst nur Subjektumkehr genannt werden: nicht der Gehende durchkreuzt die Umgebung, sondern die Umgebung umlagert den Gehenden. Auf dem Lebensweg des Zöglings liegen: Elternhaus, Dorf, Bahnstation.... So funktioniert der Text.

c.
So sitzt du eigentlich nicht im Zug, obwohl du inzwischen schon eingestiegen bist, sondern treibst dich in den Mäulern deiner Dörfler herum und bist ihnen Anlaß zu Gedampfe. Obwohl sie nicht die Deinen sind und du keiner von ihnen bist, sind sie doch die Deinen, und du bist einer von ihnen, weil sie dich zu ihresgleichen gezählt haben, sie selbst haben ja sonst niemanden, du hast dich ihrer erbarmt (8). Zur Subjektumkehr, die nun deutlich als Gnade dargestellt ist, tritt noch eine Dislokation: Gesprächsstoff sein mindert die Präsenz im fahrenden Zug. Gesprächsstoff sein ist eine Aktivität, vergleichbar der wiederkäuenden Verdauung von Kühen. Und noch eine weitere Art von Subjektumkehr läßt es pendeln, wer nun zu wem gehört, wer also der Aktive und wer der Zugehörige ist. Zuletzt bleibt die Unzugehörigkeit: die niemand haben, sind die Heimatlosen (ich will nicht von der Volksgruppe reden!) – d.h. in der Rückgängigmachung der Subjektumkehr wird nun deutlich der Tjaz als der Heimatlose, Unzugehörige, ja Verlorene sichtbar, und in der Rede wird ihm gerade das Gegenteil beschworen. Das zum Sinn dieser Redeform.

d.
Ist es Gottes Wille gewesen, ist es nicht Gottes Wille gewesen, Tjaz hat angefangen, sie von unten her anzuschauen, statt von oben, dabei ist er sich auch seiner Verwirrung bewußt geworden. Der Internatling schaut das Weib grundsätzlich von oben an (16). Zur Subjektumkehr tritt der Perspektivenwechsel. Das Internat liegt am Berghang und schaut ins Tal. Der Zögling wird einmal ein gebildeter Mensch, und schaut auf die Dorfbewohner herab. Das geistliche Institut bereitet auf ein geistliches Leben vor und blickt daher auf die Frau herab. Nun, das sind alles die Trampelpfade biederen Lesens. Aber hier ist von Gottes Blick die Rede. Und der Wechsel in die irdische Perspektive ist derjenige der Versuchung: aber wenn ihn die Augen verleiten. Wenn hier aber Adam und Eva mitzulesen sind, dann wird die Frage nach Gottes Willen zur theologischen Frage: Will Gott die Versuchung? Das Verleitetwerden durch die Augen klingt wie Ausrede, bei Adam: die Schlange – aber ist nicht beides gleichermaßen Subjektumkehr? Dann ist der ganze Text als Rechtfertigung zu lesen.

e.
Die Initiation, die nun folgt, wird als Vorgang zwischen Erde und Mensch erzählt: Beute – Finger – Stengelchen – Widerstand – stinkigen Saft, Finger bespritzt – Säfte versagt – strotzende Lebensverlangen – heilsamen Berührungen – ranzigen Ausdünstungen – Blut aus der Wunde gesickert – keine Schmerzen - Honig gerochen – Norm zerplatzt - . Als du heimgehst, verbeugt sich vor dir das Gras (17-25). Umgekehrt erscheinen nun sie als die Erde (anstatt Adam aus dem Ackerboden) und er als das Leben (anstatt Eva, das Leben). Aber es ist eine Begegnung und Herausforderung, die er bestanden hat. Ohne zu wissen, was hier geschieht, hat er sich gestellt und bestanden. Das Gras verbeugt sich vor ihm, der das unerkannte Brautgemach verläßt, und Mann geworden kehrt er heim, ohne bemerkt zu haben, wie klein er ist: das Gras.
Diesem (ambivalenten) Sieg folgt sogleich die Niederlage, wenn die Verirrung des Kindes erzählt wird, das dem Vater, Holzfäller, das Essen in den Wald nachtragen soll: er, der keine richtige Sprache har, hat den Weg nicht richtig erklärt: so daß du schwindlig geworden bist und es dir den Boden unter den Füßen weggezogen hat (27). Unmittelbar nach der Defloration erzählt, könnte der Schwindel auch von dieser herrühren. Aber der Verirrte taumelt allein durch den dunklen Wald: Ein Abgrund hat dir entgegengestarrt und ist dir mit seiner Leere ans innerste Leben gegangen, er hat vor dir zu schwanken angefangen, fast hat er getanzt. Du bist größer geworden, und vor den Augen ist dir immer noch der Abgrund, der sich wiegt (28). Aber wieder ist es umgekehrt: Der Abgrund ist des Tjaz´ Ursituation, und im tanzenden Mädchen findet er sie wieder. Der Abgrund der Existenz aber erzeugt Schwindel.

f.
Wie und warum wird aus Tjaz der Kratzende? Er, der Kadavergehorsam von zu Hause kannte, hat den Predigten und Ansprachen des Spirituals auf den i-Punkt geglaubt (39) – warum ist er nicht in seiner Unauffälligkeit geblieben? Das kirchliche Leben des Internats nennt der Erzähler eine bloße Herde von Melkkühen, die Bubenschaft nur den ausführenden Teil: denn für das Leben der Kirche ist ein gläubiges Volk nun einmal notwendig, zum Unterordnen und zum Befolgen der Gebote (35). Ist das nun eine Kirchenkritik, verbunden mit einer Kritik am Internat? ....jetzt knieten sie sich nieder und streckten die Zungen heraus, auf daß der Priester einen nach dem andern sakramentalisch belade, worauf dann Reinheit von vorn nach hinten die Bänke durchstrahlte .... wie viele Wege mußten sich kreuzen, wie viele Schritte im Gleichmaß erfolgen, bis der Kirchengeometrie genügt war. (36)
Wiederum ist auf die Subjektumkehr zu achten, die Rechtfertigungsfunktion hat. Die Verlagerung der Verantwortung auf die Umstände und die Umgebung soll entlasten. Der Bericht des Biographs spricht den Zögling frei. Aber die hier genannten Subjekte sind: die Bubenschaft, die Kirchengeometrie. Das sind keine verantwortungsfähigen Subjekte, sondern Verallgemeinerungen. Der einzelne wird in etwas (imaginäres) Allgemeines hineingestellt. Die beladenen Zungen, die bänkedurchstrahlende Reinheit, die vorherrschende Kirchengeometrie erscheinen als imaginäre Subjekte, denen alles Individuelle und Selbständige unterzuordnen ist. Jedenfalls für Zöglinge, die nicht Ich sagen, nicht selbst und aus Eigenem handeln, sondern wegen etwas Allgemeinem und ihnen Fremden. Die Subjektumkehr (Subjektverwandlung) zeigt die fehlende Individuation: als Erziehungsproblem und als pastorales Problem. Wir denken an die Zeiten der Volkskirche und an das kirchliche Leben aus automatisierter Zugehörigkeit, ohne individuelle eigenverantwortliche Glaubensentscheidung.

g.
Ein Unglück, das ihm leibhaftig die Schuhe ausgezogen hat (47), begegnet dem Mitzögling, der unglücklicherweise gerade vor Tjaz zu sitzen kommt. Als dieser ihm unbemerkt die Nägel aus den Lederschuhen zieht, welche auseinanderfallen, wäre er am liebsten versunken. Nun beginnt Tjaz seine Abgründigkeit und Bodenlosigkeit auf andere zu übertragen, und es wird ausdrücklich als seine neue Aktivität dargestellt, als sein Eigenes, seine neue Eigenheit, das Kratzen, obwohl das doch augenscheinlich gar nichts mit Kratzen zu tun hat. Kratzen ist Zeichen der Wehrhaftigkeit des Unterlegenen, Schwächeren. Kratzen macht nicht stärker, aber sichert einen Freiraum.
Durch das Kratzen ereignet sich verspätet Tjaz´Individuation.

h.
Als der bereits Mann gewordene Tjaz das Mädchenzimmer der nicht unerfahrenen Nini betritt, da hat er zunächst nur Augen für die Zimmereinrichtung. Vielleicht ist es das Individuelle nach den Schlafsälen, die er kennt, vielleicht das Persönliche und Private. Jedenfalls verschafft ihm das Beobachten und Späen einen Freiraum, und es sind nach dem Kratzen die ersten freien Handlungen, die von ihm erzählt werden – und gerade der Widerspruch zum Allgemeinen der Internatsordnung sind das Zeichen dafür, bis zur morgendlichen Heimkehr. Viel Sprechen mit der neuen Freundin war nicht.

i.
Der Höhepunkt des Kratzens, und sozusagen die erste freie und bewußte Tat, ist die Stürmung des Himmels, verbunden mit der Schändung der Heiligen. Tjaz erklettert zusammen mit einem Verbündeten, wahrscheinlich dem Biographen, und im Beisein Ninis, nachts den Hochaltar mit der Säge, und verstümmelt die Heiligenfiguren, die er bisher so wie damals das Mädchen von unten gesehen hat. Einige göttliche Heilige und Heiliginnen haben noch gewartet und uns ihr Holz angeboten, aber wir haben sie nicht mehr erhören können (96). Das Wachstum des noch klein gebliebenen Tjaz setzt mit den Kratzaktionen ein, und das größte Wachstum, das im Internat möglich ist, führt zu den Heiligen und über sie hinaus, die weiblichen werden gesondert erwähnt. Es erscheint als lustvolle Orgie, und wie als weiterer, besonderer Schritt auf der Himmelsleiter, und ohne einen Schatten von Destruktivität und Rache. Der zu sich gekommene Holzfäller.

j.
Am Ende wird des Tjaz´ Neigung zur Weiblichkeit auf einen noch höheren Turm führen. Und auf die höchste Erhebung des Verbannten wird dessen tiefster Fall folgen, gerade in dem Moment, als er mit dem Biographen zusammentreffen soll. Damit könnte die ganze Biographie als fiktiv erkannt sein, wenn sie nicht als Beschwörung und Rehabilitation des Gefallenen zu verstehen ist. Denn der Tjaz scheint noch immer keine eigene Sprache gehabt zu haben, konnte sich auch mit dem Mädchen kaum verständigen.


k.
Erhellend ist ihr Bericht, ebenso fiktiv wie der des Biographen: mit dem Gekratze vervollständigte er sich, formte sein eigenes Leben, hielt sein Geschick im Gleichgewicht(193)- deutet sie, versteht es also und versteht es nicht, ist in einer Weise ihm verbündet und ist es nicht.
Ich verstehe nicht, wie er sich das Leben nehmen konnte, ich habe ihn doch alles tun lassen, was ihm nottat(197), bekennt sie offen und hilflos, und zeigt damit das Drama des Scheiterns aller: des Vaters, des Internats, der Freundin. Des Tjaz.
Mit tun lassen ist es nicht getan.
Was war wohl jenes Wort?
Er trug in sich jenes Wort, das ihn letztlich in den Tod trieb(186) - das niemals ausgesprochene, verschwiegene, ungesagte, doch gesagte, unverstandene, entsetzliche, von dem sie fühlte, dass er es ihr zugedacht hätte:
immerhin jemand, der ICH sagt.


2.

a.
Ein anderer Zögling, und damit soll jetzt des Tjaz` Geschichte von hinten und von innen aufgerollt werden, nämlich der Törleß, erlebt jene "Jahre des Übergangs" in einem Erziehungsinstitut in der Provinz - er kommt sozusagen von der anderen Seite, von der städtischen, wohlhabenden, gut situierten an ebendiese Schwelle, und die Provinz selbst mag dabei die Aufgabe eines Klosters erfüllen, das in seiner Abgeschiedenheit die inneren Vorgänge verstärkt zu Bewusstsein bringt: und er borgt seine Sprache jenem Holzfällerbuben und konzediert gleich zum Anfang dessen Ende:
Wenn man da solch einem jungen Menschen das Lächerliche seiner Person zur Einsicht bringen könnte, so würde der Boden unter ihm einbrechen, oder er würde wie ein erwachter Nachtwandler herabstürzen, der plötzlich nichts als Leere sieht.(16 - Törleß, nach Rowohlt zitiert)

b.
"Von alldem, was wir den ganzen Tag in der Schule tun, - was davon hat eigentlich einen Zweck? ... Man weiß am Abend, daß man wieder einen Tag gelebt hat, daß man soundsoviel gelernt hat, man hat dem Stundenplan genügt, aber man ist dabei leer geblieben, - innerlich meine ich, man hat sozusagen einen ganz innerlichen Hunger...."
Das ist eine Wahrnehmung des Schülerlebens im ganzen, der Betriebsamkeit mit all ihrer inneren Folgerichtigkeit, wahrscheinlich nicht anders als auch ein Berufsleben: es bleibt ohne innere Korrespondenz, es geht ins Leere, es antwortet nichts im Menschen, der Schüler ist zwar tätig, doch nur äußerlich, die Tätigkeiten meinen nicht IHN, er selbst wird nicht erreicht und bleibt hinter dem Getriebe zurück.
"Es ist so: Ein ewiges Warten auf etwas, von dem man nichts anderes weiß, als daß man darauf wartet .... Das ist so langweilig ...." (30f)

c.
Bei Tjaz klingt das so: Jetzt kamen sie reihenweise nach vorn zu den betonierten Altarstufen, jetzt knieten sie sich nieder und streckten die Zungen heraus, auf daß der Priester einen nach dem anderen sakramentalisch belade, worauf dann Reinheit von vorn nach hinten die Bänke durchstrahlte ... wie viele Wege mußten sich kreuzen, wie viele Schritte im Gleichmaß erfolgen, bis der Kirchengeometrie genügt war. (36) Wieder steht das handelnde Subjekt zur Frage (Subjektumkehr), liegt nicht im Schüler, nicht im Erzieher/Priester – und diesmal kann der Entzug des Subjekts nun ein Tor öffnen zu der wirklichen Misere der Geschichte: Sie entbehrt der Handelnden! Ein Gottesdienst um der Geometrie willen, kein Erziehungsziel, keine Werte, keine Selbständigkeit, kein selbständiges Glauben. Stattdessen Selbstanpassung.


3

a.

Viele würden jetzt gerne auf die bestimmten Bildungsinstitutionen eingehen, die Internate, die Schulen, auch auf Kirche als Institution, auf Glaubens-„Vermittlung“. Und die kritische Schlagrichtung im Zögling Tjaz ist nicht zu verhehlen. Aber zuerst sollte Dringlicheres abgeklärt werden: Es fehlt an Menschen. Solche, die handeln können, die entscheiden, die Ziele haben, die begegnen können. Menschen mit Freiheit und Selbständigkeit. Dem Tjaz gegenüber ist nur ein Mensch mit seinem Namen geltend geworden, und dieses Mädchen war selbst noch halb Kind, das mit sich machen ließ.

b.
Was nun den Institutionen angelastet werden kann, ist, dass sie zuwenig transzendente Ziele anstreben, zumal den kirchlichen. Denn nicht als Anpassung soll gelebt/gelernt/geglaubt werden, darin liegt kein Sinn, sondern in jedem einzuübenden Vollzug soll das Worumwillen deutlich werden, das erst wäre die wirklich pädagogische und menschliche Aufgabe.

c.
Nun ist gerade am Törleß deutlich geworden, dass erst solche Selbstdistanzierung gültige, weil reflektierte Sprache hervorbringt. Tjaz spricht nicht, er kratzt. Mutter/Vater haben ihm keine Sprache gegeben, und verlassen tastet er nach dem großmütterlichen Urbild einer Zugehörigkeit, ohne einem elterlichen Menschen zu begegnen, auf schwankendem Boden.
Dass Sprache entsteht, bedarf eines anderen, eines Fremden (des Biographen), obzwar mit unerklärlichem Wissen über des Tjaz’ Geschichte und Herkunft. Möglicherweise ist er ihm doch näher gekommen, als er sagt.

d.
Und wenn es das ist, was bleibt, der Appell an die persönliche Begegnung, die Wahrnehmung des einzelnen in seiner unsäglichen Not, das Erscheinen des Ungesagten – oder wenn es sogar das ist, dass in der unbeholfenen Subjektumkehr das bleibend Mystische erkannt wird, dass jenseits des frei und selbstbewußt handelnden Menschen etwas anderes als Subjekt erkannt wird. Aber man soll sich Gedanken machen, wie einer Mensch werden kann, und nicht Funktion, und es ist wohl seit den Zeiten des Tjaz der Individualismus weit fortgeschritten, sogar extrem weit, ist zum wichtigsten immanenten Wert der Gesellschaft geworden, aber noch lange nicht die Individuation, im Gegenteil. Was heißt nun ICH sagen.



Vergleiche:
http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/fleischhacker/374605/index.do?direct=374563&_vl_backlink=/home/bildung/erziehung/index.do&selChannel=
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/384583/index.do?from=suche.intern.portal

Freitag, 2. Mai 2008

halbe welt gesehen

Halbe Welt, 6 Uhr morgens: Sirenen heulen. Die Straßen leeren sich. Fenster werden verdunkelt. Menschen flüchten unter die Erde.- Die Sirenen verstummen. Stille. Über der leblosen Stadt taucht die Sonne auf und wirft ihr tödliches Licht auf die Halbe Welt. 12 Stunden später: Sonnenuntergang, Entwarnungssirenen, das Leben beginnt- Gute Nacht. Der Film zeigt verschiedene Überlebenstechniken in einer künstlichen Welt- Action, Liebe, Sex und Gewalt. In den Metropolen der Halben Welt wuchert eine Kultur aus verschiedenen Sprachen und Lebensformen. Katz (Dani Levy) ein Dealer, streunt herum und verkauft alte Ansichtskarten einer längst verotteten Natur. Herzog (Rainer Egger) steht jeden morgen mit der Stoppuhr auf dem Dach seines Hauses und versucht den Sonnenaufgang zu ertragen. Die "Weißen" besitzen das Monopol auf die Vergangenheit und produzieren mittels alter Naturaufnahmen elektronische Illusionen für eine unsichtbare Elite. Die "Schwarzen" bemächtigen sich dieser Illusionsmaschinen und manipulieren sie. In Sunnys Tagesbar trifft sich die halbe Welt.

Österreich 1993, 83 Min, Farbe, S-16 / 1:1.66 (Blow up to 35mm)
Regie: Florian Flicker
Darsteller: Rainer Egger (Herzog)
Dani Levy (Katz)
Maria Schrader (Sunny)
Mercedes Echerer (Sina)
Goran Rebic (Repro)
i.w.R.: Proschat Madani, Allen Browne, Michael Kreihsl, Karl Markovics, Cornelia Lippert, Clemens Galen, Heinrich Strobele, Mara Mattuschka u.a.


Wörterbuch:
- psychedelisch: http://de.wikipedia.org/wiki/Psychedelisch
- virtual reality: http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/virtual-reality-digitale-traumreisen_aid_143805.html
- synthetische Erlebnisse, Computerspiele, z.B. http://www.planet-xbox.de/?article=6619&name=Interview_Tetsuya_Mizuguchi_Q_Entertainm
- Genre: Utopie/Science Fiction/Fantasy? Siehe Aldous Huxley, George Orwell
- Ozonloch, Klimaveränderung

Thesen:

o Der Einzelne gegen die Mächte
o Freiheit braucht Sinnlichkeit und Natur
o in einer synthetischen Welt verkümmert der Mensch und die Gesellschaft
o ein von synthetischen Elementen durchsetztes Leben erschwert das moralische Urteil des Menschen: was gut/böse, richtig/falsch ist
o es gibt ein unstillbares Bedürfnis des Menschen nach Beheimatung in einer intakten Natur
o die Verdrängung und Zerstörung der Natur entspringt dem Kampf des Menschen gegen sich selbst: seinen Blockaden, seinem innerer Unfrieden, seiner Unversöhntheit

Natürliches / synthetisches Leben

+ Essen: Kunstdünger, Insektenvertilgung, Massentierhaltung in Fleischfabriken, antibiotische Nahrungszusätze, gentechnisch verändertes Soja aus Übersee, Tiertransporte quer durch Europa

+ Liebe: Kosmetik, gefärbte Haare, Schönheitschirurgie, Empfängnisverhütung, künstliche Befruchtung, Genanalyse, synthetische Genomproduktion (vorerst bei Bakterien)

+ Fortbewegung: "Massen/Individual"verkehr, nur mit Auto erreichbare Wohnquartiere, auf Autoverkehr ausgerichtete Infrastruktur

+ Freizeit: Computerspiele als Abenteuersimulation, Fernsehen, Videos, Kommerzkino, Joggen mit iPod, Shopping mit Musikberieselung, Sport mit Kunstfaser- und formaldehydimprägnierter Sportbekleidung, Spezialgeräte wie Fahrrad oder Klettergurt, spezielle Areale wie Golfplatz oder Kletterwand; Kraftkammer, Wandern mit JPS-Navigation und Handy-Notruf

+ Reisen: All inclusive ohne Meerwasserkontakt, dafür aber Begegnungsmöglichkeit mit der einheimischen Bevölkerung im Servicedienst, Flugreisen

-----------------------------------------------------------------------------------

1.

Gut, so einen verstörenden Film auszuhalten. Sowenig Handlung, sowenig zu sehen, soviel Unbegreifliches. Verstörend auch, weil da Lebensformen vorgeführt werden, die wir kennen, aber nicht in ihrer Absurdität gesehen haben.

a.
Keine Lebensprojekte sichtbar, niemand arbeitet, keine Familien, jeder nur für sich, einziges Ziel ist das Erlebnis, der Genuss. Und ein recht fragwürdiger Genuss: alles künstlich und steril. Einziges sichtbare Lebensalter: zwischen 20 und 30, keine Kinder, keine Alten.

b.
Eine Hauptperson, die nicht handelt – oder gerade das Handeln/die Tätigkeit/die Beschäftigung/die Anstellung abbricht: der Angestellte der Bilder-Kontrollfirma/des Geheimdienstes scheint gekündigt zu haben/übergelaufen zu sein. Herzog, der Stumme, der Beobachtende, der sich Zurückziehende.

c.
Bilder von der Natur: Familienalben, am See, im Wald, am Berg, kitschig, scheußlich, beliebig. Apparate von der Natur: ein virtueller Kletterfelsen, eine virtuelle Bootsfahrt. Drogen von der Natur: halluzinierte sexuelle Abenteuer mit der am Kaffeehaustisch gegenüber sitzenden Prostituierten. Nichts ist echt.

d.
Alles ist gleichmäßig, plätschert und tröpfelt, keine Aufregungen, keine Ziele, keine Richtung. Außer Herzog, der auf die Spur gekommen ist: Er hat gesehen, wie jemand in der wirklichen Welt war, draußen im Freien, wo die Sonne unbarmherzig jedes Leben vernichtet, und wie diese Frau danach zu Grunde ging. Die Pupillen verfärbt, die Stimme verändert, zuletzt Blut gespuckt.

e.
Herzog stellt sich der devastierten Natur, der zerstörerischen Sonne. Er versucht, auszuhalten, Luft zu atmen, frei zu gehen, Licht zu ertragen. Er steigt aus. Steigt aus der Unterwelt heraus. Betritt die Oberfläche. Beginnt, die Welt zu erkunden, wie sie wirklich ist. Sucht die wirkliche Welt, der Apparate und Spiegelungen überdrüssig. Und riskiert sein Leben.

f.
Aber auch sein Ausstieg wird eingeholt: vom Taxi, von den Fahndern, von den Illegalen. Im Freien wiederholt sich das undurchsichtige Getriebe der Unterwelt und wird nun allererst sichtbar: Gewalt, Korruption, Verführung, Geschäftemacherei. Herzog wird eingeholt. Vielleicht gelingt erst im Tod der Ausstieg aus dieser verdammten Welt.


2.

Was war so verstörend? Dass die Natur so restlos zerstört ist, dass der Mensch sich so selbstverständlich im Künstlichen eingerichtet hat, und besonders: wie der Mensch nun ist, ohne Natur.

a.
Sie sind nicht unfreundlich, der Katz, die Sunny, die Sina, der Repro, nicht unsympathisch – aber ohne Charakter, ohne Neugier, ohne Berührung: alle irgendwie beiläufig in irgend etwas verstrickt, ohne einen wirklichen Blick auf etwas. Vielleicht am deutlichsten bei Katz, der immer irgendein Geschäft machen will mit allen und mit allem. Wie ferngesteuert, die ganze Gesellschaft.

b.
Nein, verstörend ist, dass wir in all dem immer nur uns selbst erblicken: So sind wir, in der Straßenbahn am Weg in die Arbeit, vor dem Fernseher, in irgendeiner Beschäftigung. So nicht da. So vergnügungssüchtig, so leer, so sinnlos. Und so wehleidig, so naturfern. Und so einverstanden mit all dem scheinbar Unausweichlichen, mit den kurzen Fristen, mit dem Verschwundenen. Denn es ist ja auch das Leid verschwunden, die Mühen, das Anstrengende, das Herausfordernde.

c.
Wer im Sommer auf der Alm ist, am Bauernhof, am See, am Meer, wie ein kleines Aussteigertum, auf asphaltierten Straßen, mit Satellitennavigation, und Handy, iPod und Kletterwand, Fotoapparat und Sonnenbrille, Swimming-Pool und Sonnencreme. Der simuliert Natur. Der produziert eben jene Natur, die von Luna ins Feuer geworfen wird.

d.
Aber Natur ist auch: das Wesentliche. Das Eigentliche. Das, was in sich selbst ist. Zöge sich die Natur zurück, dann wäre auch der Mensch nichts mehr aus sich selbst. Wäre nur mehr, was er aus sich macht – und was die anderen aus ihm machen. Der Verlust des Natürlichen ist auch der Verlust des Ursprünglichen.


3.


Dieser 15 Jahre alte Science Fiction- Film Florian Flickers könnte ganz gut eine Literaturverfilmung sein, obwohl er der Fantasie von Regisseur und Mitarbeitern entsprungen ist und einem kreativen, unabsehbaren Schaffensprozeß mit geringen technischen Mitteln – etwa mehrfach belichteten Bildern.

a.
Zunächst läßt sich im Film Oswald Wieners „Die Verbesserung von Mitteleuropa“ ablesen, besonders der Bioadapter. Aber auch all die lakonischen Vorgänge zwischen den Figuren, das Exzessive, dort der Alkohol, hier die Drogen, die Vorherrschaft von Genuss und Simulation. Und die Nähe der ganzen Szenerie an der Gewalt. Wiener selbst scheint inzwischen der von ihm und seinen Künstlerpartnern damals dargestellten Lakonie erlegen zu sein und hält jetzt ernsthafte Vorlesungen über künstliche Intelligenz – oder er hat die Ironie der Darstellung perfektioniert bis zur Unkenntlichkeit.

b.
Wer Platons Höhlengleichnis in der Halben Welt zu lesen vermag, wird Herzog auf den Schutthalden (der im Bau befindlichen Donauinsel) ins Reich der reinen Ideen blinzeln sehen, nachdem er der dunklen Höhle der Einbildungen und Täuschungen durch die Sinne entkommen ist. Wie die in der Sinnlichkeit Befangenen nur immer mit wirklichkeitslosen Abbildern zu tun haben, während der zur Vernunft Aufsteigende nicht mehr nach sichtbaren Dingen sucht, sondern nach Einsicht in Wesenheiten, so stellt sich einwandfrei seine Zweiweltenlehre dar in einer sichtbaren, aber uneigentlichen, und einer unsichtbaren, befreienden Welt – derer der Mensch aber nicht standhalten kann. Recht klar kann auch die in der Höhle vorherrschende Begierdeseele identifiziert werden, wodurch der Bewohner „weder Ordnung noch Pflichtenzwang kennt, sondern nach Lust und Laune in den Tag hinein lebt und das ein liebliches, freies und seliges Leben heißt“ (Staat 561), also die nach Plato recht bedenkliche vernunftarme Staatsform der Demokratie.

c.
Zwar ist die geöffnete Tür zu sehen, und auch der Posaunenklang ist zu vernehmen, wenn die Zeit um ist und die Endzeit anbrechen könnte. Die Verheißung an den Heraufkommenden, dass ihm gezeigt würde, was geschehen solle, ließe sich noch erahnen. Aber da es ein Film aus Europa ist und kein amerikanischer, folgt darauf keine Thronvision mit umstehenden Adjudanten und tier- und menschenähnlichen Wesen. Kein Buch und folglich kein Text, keine Offenbarung und keine Abrechnung und Herstellung wahrer Gerechtigkeit. Vielleicht könnte man in dem unter den Menschen aufräumenden Luna-Agenten einen Drachen sehen, der die Frau verfolgt, und sogar ein Kind ist wundersam aufgetaucht im Handgemenge der Verfolgung. Aber da ist keine typologische Bedeutung mehr, die bleibt allein bei Herzog, also keine Apokalypse (wie die meisten Science Fiction – Filme), kein Weltuntergang, kein Rettungshorizont. Nur jeder/jedes für sich, lauter Einzelereignisse, die Wesensschau/die Erkenntnis bleibt allein dem zum Grunde gehenden Herzog vorbehalten, der niemanden erlöst.

d.
Die Verstörung ist also berechtigt.

Ich wollte sicher sein, dass ich nicht vergeblich laufe oder gelaufen bin

Gal 2, 2

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