yukon

Samstag, 8. August 2026

Geschwindigkeit

Der Fluss gibt dir das Tempo vor.
Die Strömung ist nicht überall gleich.
Katrin hat gesagt, in der Mitte ist es am besten - aber in der Innenkurve oder an Engstellen strömt es schneller.
Der Kajak fährt auch, wenn ich nichts tue, wenn ich die Paddel ablege, um zu fotografieren. Langsam treibe ich am dunkelgrünen Fluss durch die Wälder. Einmal sehe ich einen Weißkopfseeadler. Er gleitet quer über den Fluss und landet auf einer Baumkrone - ich meine, dort zwei zu sehen.
Beim Autostoppen lässt du dir das Tempo vorgeben. Du stehst und wartest, immer auf das nächste Fahrzeug konzentriert. Das kann lange dauern, warten können ist eine Fähigkeit der Natur. Bleibe in Ruhe, ziehe keine Schlüsse, werde nicht ungeduldig. Stehe an der besten Stelle und warte.
Du wirst erwählt werden.
Heute habe ich Joowang Lee wieder gesehen, schon südlich der Abzweigung des Klondike Highway. Er geht nun auf der linken Straßenseite.

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Mittwoch, 5. August 2026

City of Gold

Das ist Dawson City.
In den 1890er Jahren wurden Goldfunde am mittleren Yukon bekannt.
Ganze Karawanen von Abenteurern zogen über den White Pass herauf und fuhren mit Booten und Schiffen den Yukon hinunter.
Und hier, im Fischerlager der First Nations, in Tr'ochëk, wurde eine Stadt errichtet, die bald zur Boomtown wurde.
Das wird gern als heroischer Kampf des Menschen gegen die Mächte der Natur dargestellt. Die langen, eisigen Winter. Die Überschwemmungen. Die Abhängigkeit von Lebensmittellieferungen auf den entlegenen Vorposten der Zivilisation. Von Werkzeug und technischem Material. Die Stadt zählt die Heldentaten der Erbauer der Wasserleitung und des Turbinenwerkes und listet die Katastrophen auf.
Die Trʼondëk Hwëchʼin First Nation gibt es noch. Sie wurden von einer schamanistischen Jäger- und Sammlerkultur mit oraler Tradition ins nordamerikanische 20. Jahrhundert katapultiert, lernten Alkohol und Drogen kennen und verloren ihre Sippen- und Familienverbände. Heute sind sie als Eigentümer des Landes anerkannt, und viele leben in diesen Holzhäuschen und fahren riesige amerikanische Limousinen.
Reich geworden, erzählt mir Otto, sind die Casinobesitzer, Hotelbetreiber, Schiffahrsunternehmer. Die Goldschürfer waren die Arbeiter auf eigenes Risiko. Niemand weiß, wieviele im Schnee und im Fluss verlorengegangen sind.
Ihre Gesichter zeigen eine Ahnung

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Montag, 3. August 2026

Warum

ich per Autostop fahre, fragt mich Lily, auf die Fahrbahn konzentriert. Um Leute kennenzulernen, sage ich. In der Stadt lernst du keine Leute kennen. Sie pflichtet mir heftig bei. Sie hat einen sehr stressigen Beruf, organisiert ein Millionenprojekt in Whitehorse, wird jetzt doch einige Leute dafür anstellen. Sie erzählt mir ihr ganzes Leben, von den Kindern, dem Partner, dem Haus und den Reisen. Am besten schläft sie beim Campieren im Freien, sagt sie. Wie ich, sage ich.
Wir sehen eine Elchkuh über die Straße gehen, die zwei Junge hinüberbugsiert und dann im hohen Gebüsch verschwindet. Sie erzählt mir von ihren Begegnungen mit Bären. Grizzlys sind wie Menschen, die keine Angst haben. Du kannst ihnen beim Denken zusehen. Später überholen wir Joowang Lee, ich erzähle ihr von ihm.
An der Abzweigung nach Dawson verabschieden wir uns.
Die nächste Stunde verbringe ich mit meinem Rucksack auf der Ladefläche eines Pickup, bis der alte Mann mit dem langen weißen Bart irgendwo auf dem Klondike-Highway stehen bleibt und mich runterlässt. Hier müsse er abbiegen. Das gibt mir eine gute Zeit der Stille am Straßenrand, nur wenige Autos am Sonntag Nachmittag.
Am Morgen war ich im Gottesdienst in der heimeligen Quonset-Kirche in Haimes Junction, mit beinahe zehn Kindern und jungen Eltern, wo jeder zweite etwas zur Feier beitrug. Einer mit Anzug und Krawatte aus der zweiten Reihe leitete den Gottesdienst und erklärte die Schrifttexte. In der Diözese Whitehorse gibt es nur vier Priester.
Dann hielt Otto.
Er erzählte mir sein ganzes Leben. Seine Zeit in Deutschland, in Holland, in den Staaten, in Südamerika, und nun in Dawson City. Als Landwirt.
Gibt es überhaupt Landwirtschaft im Yukon? frage ich. Ich habe kein einiges Feld gesehen und kein Weidevieh. Zur Antwort bekomme ich eine Karotte.
Zwei Orte durchqueren wir, die fast nur aus einer Brücke bestehen. Der Yukon sieht hier aus wie die Donau in der Wachau.
Seit Otto mir die vulkanische Zone gezeigt hat, von der Aussichtswarte neben dem Highway auf die Tiefebene darunter, fühle ich das Schwanken des Bodens.
Besonders in meinem Bett im Bunkhouse, das ein Holzhaus ist.
Der Wirt im Bunkhouse ist Ottos Freund.
Der Yukon ist 200 km länger als die Donau.
Die heute zurückgelegte Strecke ist so lang wie von Wien bis Bregenz.
Als ich zum ersten Mal nach Dawson kam, vor 40 Jahren, war es auch mit Otto

Ich fahre Autostop, weil man die Welt nicht erfährt, ohne sich auszuliefern

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Gott hat das auch nicht anders gemacht

Sonntag, 2. August 2026

Ä'äy Chu

Der Slim's River zieht ein langes Sandband vom Gletscher herab und mündet zögerlich in den großen Kluane Lake.
Dort sind die Berge, die ich heute von unten und oben sah.
Hinter diesen Bergen Alaska

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Freitag, 31. Juli 2026

Begegnungen

Mir kam Joowang LEE entgegen.
Er kam zu Fuß.
Von Alaska.
Das er durchquert hat, von Korea kommend.
JuaniWalker auf dem Weg bis Feuerland.
Im Kluane Park Inn trinke ich ein Bier mit ihm.
Sein Zelt steht draußen

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Das ist sein Video:
https://m.youtube.com/watch?v=oOOzmgqZSg0&pp=ygULanVhbml3YWxrZXI%3D

Mit 20 wurde er getauft, erzählt er mir. Sein Taufname ist Maximus, nach Maximus von Turin. Er hat als Soldat gearbeitet, nun wandert er durch die Welt

Am Abend kam noch Nikola aus Teplice (Tschechien) mit ihrer Familie dazu. Sie waren am Rückweg von Alaska. Es gab viel zu erzählen und viel Begeisterung, tschechisches Bier und Whisky...

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Und am Morgen, gerade nach ihrem Abschied, lief ich Emma und Alex aus Alaska in die Arme

Donnerstag, 30. Juli 2026

Die große Weite

Dafür steht Kanada
Stille, Weite
Haines Junction ist nur 150 km von Whitehorse entfernt, Richtung Westen, auf die großen Berge zu, die Gletscher Richtung Alaska, die dort ins Meer abbrechen.
Aber bis dahin nur Wald
Drei Fahrer hatte ich
Draußen stiller Regen
In den Autoradios Countrymusik
Einmal Bob Dylan, The Times The Are a-chanchin
Die Fahrer schweigsam
Ich hatte die Einkaufskiste zwischen den Beinen und den Rucksack quer über den Knien
Gurten und Helm und anderes Werkzeug hat der Fahrer später auf der Ladefläche verstaut
Für elektrische Montagen
Er fuhr heim
Er führte mich bis zur Haustür des Kluane Park Inn
Eine Chinesin empfing mich
wortkarg
Der Ort ist nur eine Straßengabelung
Wir sind stolz auf diesen Ort, sagte die Frau an der Bar
Weit weit weg von allem

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https://m.youtube.com/watch?v=90WD_ats6eE&time_continue=5&source_ve_path=MjE0Mjgz&embeds_referring_euri=https%3A%2F%2Fwww.bing.com%2F

Dienstag, 28. Juli 2026

Die Diagonale

ist meine bevorzugte Art zu gehen, jahrelang entwickelt in den Straßen Wiens. Du hast den Verkehr in beide Richtungen im Blick, schätzt die Geschwindigkeiten und querst hinter dem letzten passierten Fahrzeug die Fahrbahn und danach (notfalls kurz an der Mittellinie wartend) die Gegenfahrbahn. Geübte Diagonalgeher haben die Ampelphasen im Blick. Auf diese Art bis du weit schneller als die Ampelgeher und lernst dabei den Stadtteil besser kennen.
In Whitehorse ist das kaum anwendbar. Denn bei jeder Annäherung an die Fahrbahn stoppt das nächste Auto sofort und wartet, bis du passiert hast. Für die Diagonale hast du dann keine Nerven mehr.
Und im Gelände geht das garnicht. Denn jederzeit gibt dir das Gestrüpp die Richtung vor, und du kannst dich nur von einer Lichtung zur nächsten durchzwängen. Selbst die weitsichtige Entscheidung über die Talquerung muss im Sumpfmoor vielmals abgeändert werden. Doch zuletzt habe ich tatsächlich, nach langem, geduldigen Weg entlang des Seeufers, doch noch den See durchquert, und zwar in diagonaler Richtung!

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Sonntag, 26. Juli 2026

Die Geräusche

Mein Zimmer liegt nahe beim Aufzug. Das gibt einen Klang wie eine Espresso-Kaffeemaschine, einen halben Meter hinter der Wand, die dann vibriert. Das Hotel hat drei Stockwerke, ich bin im zweiten. Es gibt keine Treppe, außer der Feuertreppe, die ich am ersten Tag benützt habe. Da kommt man in der Waschküche heraus, was alle Leute beunruhigt. Im Aufzug selbst, der für ein Stockwerk mindestens zwei Minuten braucht, klingelt es bei jedem Türöffnen und Schließen. An der Pforte sitzt eine kichernde Gruppe von Mädchen aus Alaska, die zu einer Sportveranstaltung gekommen sind und zu Handymusik Gruppentänze üben. Am Parkplatz hupt jedes Auto zweimal, wenn es abgesperrt wird. Du brauchst dich nicht umzudrehen, du bist nicht gemeint. Der Klang fahrender amerikanischer Wägen ähnelt dem von Dieselloks, zuweilen auch Motorschiffen oder Traktoren.
In den Kaufhäusern wird ständig Musik gespielt, im Restaurant meistens auch, außer man sitzt auf der Veranda.
Ein besonderes Klangerlebnis bietet die Waschküche, wo sich die halbe Stadt versammelt und ganze Familien mit Kind und Hund campieren und halbe Tage verbringen. Ich würde das Geräusch mit dem Turbinenraum des Donaukraftwerks Ybbs-Persenbeug vergleichen, rhythmisch garniert durch das forsche Klimpern des Münzwechslers.

Auch der Wald ist nicht still, sobald man dem Hörbereich der Baustelle entkommen ist. Im Wind knarren die Baumstämme, wenn sie sich aneinander reiben. Das Fuchshörnchen beschwert sich laut über den Eindringling, den es genau vom Baum beobachtet und beschwatzt, was beim Vorbeigehen mit Vogelzwitschern verwechselt werden kann. Mitunter meldet ein Rabe seine Reviergrenze. Aber der Wanderer selbst raschelt im Laub und zertritt Ästchen oder streift mit dem Rucksack an tiefen Ästen. Und wenn du denkst, du bist weit genug gekommen, hörst du ein Wasserflugzeug durch die Luft brummen.

Und die Möwe über allem

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Während wir

bei der Natur sind, sind wir bei uns.
Bewege dich im Wald, im Gelände, achte auf seine Zeichen und beantworte sie, horche auf seine Laute. Spüre sein Leben. Lebe selbst.
Sei ein Teil davon

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mit dem Ohr am Boden

Samstag, 25. Juli 2026

so

macht man es, wenn man keine großen Tiere anlocken will.

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(Die kleinen, summenden, kommen sowieso)

Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.

Hebr 11,8

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