Gibts neue Rockmusik?

Martin Koller, der Villacher Rockexport, Jojo Mayer, allemannischer Trommler, und Patrice Moret am aufrechten Bass haben als "fremde Feuerbälle" was vorgegeben, keine Frage.
Aber wieso Rockmusik.
Ich bin kein Musikkritiker, aber mit Rockmusik aufgewachsen und VERwachsen, und ich heiße Rockmusik:
-) was ein Song ist, den man irgendwie nachsingen kann, oder der ein eingängiges Riff hat, muss nicht einmal ein Text sein (je älter ich werde, desto lieber ist mir instrumentale Musik)
-) was einen Beat hat, der in die Beine fährt, und obendrein in den ganzen Körper, welcher graduiert Anteil nimmt (ergreift, erfaßt) bis zum Herzrhythmus
-) eine Mindestgeschwindigkeit; ja, es gibt auch die "langsamen" Songs zum eng Tanzen: aber die haben um nichts weniger Energie
-) was einen zentralen emotionalen Aspekt hat, meist triefenden Pathos, ob von Text, Stimme, Melodie, Verzögerung, Virtuosität
-) den eindeutigen Hang zu Ekstase, auch wenn Lifemusiker cool tun (heizt umso mehr an) oder wenn sie im Studio lässig sind
-) eine wissenschaftlich kaum erklärbare energetische Stimulanz, die schon beim Nachspielen kleiner Passagen übergreift
Wers nicht glaubt, schau sich Videos an von Led Zeppelin, Emerson, Lake and Palmer oder Deep Purple.
Obendrein hat mich an dieser Musik (nicht an jeder) die Intelligenz fasziniert: ein gestufter Aufbau mit Intro, Thema, Soli, Duetten, Variationen, Zitaten und einem Finale wie der Jüngste Tag.

Was sind dagegen strange balls of fire?
Groovige Klänge wie aus Butter, die von gestrichenen Akkorden kommen. Erinnert mich an Bill Frisell mit frühen, langsamen Stücken, oder an diese drei Musiker, die eine Stunde lang in der Kremser Kunsthalle gesessen sind mit den Gitarren am Knie, und über sie gebeugt haben sie damit Klänge erzeugt: keine Töne, Melodien, Rhythmen, nein Klänge, mit einer Seite, oder mit mehreren, schwebend, gleichbleibend, und natürlich laut.
Die Leute damals in der riesigen Halle waren wie heute: stocksteif dagestanden, stumm geschaut, jeder für sich, kaum eine Regung bemerkbar. Damals hab ich einige angesprochen, heute auch, ganz normale Gespräche möglich, keine Emotionspegel, es gefällt halt.
Ok, die Ausnahmen: Der mexikanische Song vor der Pause: witzig, virtuos, mit wahrnehmbarem Thema (folkloristisch) und beißender Ironie, Erwartungsenttäuschung, anheizend, energetisch, mit unterscheidbaren, aufeinander bezogenen Abschnitten, und einer Einleitungsgeschichte: der Song aus dem mexikanischen Gefängnis, in der Nacht komponiert, vor der Befreiung durch..., und dann ein schlagzeugdominierter Song.

Jojo Meyer erinnert mich an Ginger Baker oder noch mehr an Carl Palmer: eine eigene Welt. Sicher der Anheizer der Band, und Moret der Grundierende, aber es kommt anderes heraus wie bei obgenannten, eben um genannte Differenz. Und versteht mich recht: Energie hat Koller auch, aber eine coole Energie - vielleicht ist das die Weiterentwicklung, wie bei Glühbirnen, kaltes Licht, ohne Wärmeverlust.
Gut, ich nehme ihnen das Experimentelle ab. Rockmusik unter heutigen Bedingungen. Wenn es nur ein Zwischenstadium ist. Ansonsten wäre mir Jazz lieber. Nicht wegen atonaler Elemente, oder weil Tonsysteme unveränderlich sein sollen. Das machen Jazz und zeitgenössische Musik ja schon längst. Auch guter Rock, bereits seit den Siebzigern.
Vielleicht ist es letzlich doch der Beat. Der muss die coolsten Typen aufheizen können. Vielleicht ist das der Rock.

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weichensteller - 9. Okt, 14:19

krems

Die drei Musiker in Krems waren Phil Nibblock, der Klangkünstler, Susan Stenger und Robert Poss (Gitarren, E-Bass gespielt mit E-Bows, live sampes & reocorded samples). Im April brachte beim Donaufestival der amerikanische Soundkünstler Phill Niblock im Rahmen des Throbbing Gristle Projekts sein neues Stück "Stosspeng" zur Aufführung, von der meine Wahrnehmungen stammen.

Ich wollte sicher sein, dass ich nicht vergeblich laufe oder gelaufen bin

Gal 2, 2

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